Identität Schweiz - Identité Suisse - Identità Svizzera

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«Blick von oben»

Natürlich meine ich nicht «von ganz oben», aber von der Zuschauertribüne aus auf unser Parlament im Bundeshaus, dies beispielsweise am 9. März 2011. Als lustige Einleitung: Frauen und Computer haben etwas Gemeinsames − man muss beides etwas verstehen. Das Gleiche gilt für die direkte Demokratie, dies aber im «Ernst der Sache».

Wie ernst sollen sich gewöhnliche Bürgerinnen und Bürger genommen und verstanden fühlen, wenn sich nicht einmal die Elite gegenseitig zuhört? Natürlich kann ich mir lebhaft vorstellen, dass die Mandatsträger überall gleichzeitig sein sollten. Aber wenn Ratsmitglieder untereinander diskutieren und stören, während ein Bundesrat redet, muss man sich über andere Missstände in unserer Gesellschaft nicht mehr wundern.

Die direkte Demokratie ist ein wunderbares System. Dies aus dem einfachen Grund, weil die direkte Demokratie ein Regelkreis ist. «Soll-» und «Ist-Wert» werden miteinander verglichen und dann wird entsprechend reagiert. Wenn aber etwas geredet wird und dann das Gegenteil gemacht wird, stimmt sicher etwas nicht und ist sicher nicht mehr im Sinne unserer Vorfahren. Diese wussten, dass es für das Haus «Schweiz» alle – oder verschiedene Handwerker brauchte. Auf die heutige Politik übersetzt: Weil man einander nicht zuhört – oder weil die SVP, bei einer Sache das Fundament gemacht hat, will niemand das Dach decken. Traurig – aber wahr.

Also, zurück auf Feld 1! Bitte, brauchen wir die direkte Demokratie nicht, um uns gegenseitig zu schikanieren, sondern um die Probleme anzupacken und zu lösen. Dazu folgende Gratistipps:
Im Bundeshaus müssten die Pausen ausgebaut, häufiger gemacht und verlängert werden. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass dadurch Pausen und Sitzungen meistens effizienter werden. Traktanden, welche nicht alle belasten müssen, werden in den Pausen bilateral gelöst − und können nach deren Abschluss abgehakt werden. Dafür wäre während den Sitzungen Zeit zum Zuhören.

Die direkte Demokratie und die Naturgesetze gilt es mit offenen Augen zu respektieren. Eine Kette ist leider nicht so stark oder so gut wie das stärkste Glied, sondern so schwach wie das schwächste Glied. Ob Sackgebühr, Finanzkrise oder Fusionen, der Herdentrieb war und ist, aus meiner Sicht, ein schlechter Ratgeber. Mit Boolscher Algebra (Algebra der Logik) könnten vielleicht diverse Probleme angegangen und gelöst werden. Nur so viel, solange wir mit der Sackgebühr, Energie und Rohstoffe verteufeln, statt nutzen, habe ich Mühe in das Energie – und Rohstoff-Gejammer einzustimmen. Nach der Schengenlogik und etwas zynisch: Bei «mehr Sicherheit durch offene Grenzen», müssten doch nach Schönredner(un)logik die Schutzhüllen um die Reaktoren bei den AKWs entfernt werden.

Mit dem nötigen Willen und Vernunft werden Probleme in allen Bereichen lösbar und müssten nicht verlagert werden. Aber eben – hinschauen und zuhörnen statt wegschauen. Dies gilt auch für Finanzhaie und andere Manager, welche mit Überschall durch die Kinderstube rasten: Wer muss bluten und wer wird gerufen, wenn nichts mehr geht und alles brennt, sei es im Wald und/oder im Finanzbereich? Die Welt benötigt wieder Unternehmer und Geschäftsführer mit staatspolitischer Verantwortung.

Hermann Wyss-Meier, Schneisingen