«Kleiner, hilf mir!»
Hei – schön, dass Sie aus der «Boni- Etage» den Kopf wieder etwas nach unten halten. Man ist auf die Dauer auch viel trittsicherer, wenn es nicht in die Nasenlöcher regnet. Was, Ihr Karren läuft nicht mehr?
Ja, dann legen Sie einmal eine Tausendernote auf die Motorhaube. Läuft der Motor immer noch nicht? Dann legen Sie noch eine Note darauf und wiederholen das Ganze, bis der Motor anspringt! Es hilft alles nichts − «Kleiner, helfen Sie doch!» Ja, dann ist es wie überall, wenn es brennt – oder der Karren nicht läuft. Es braucht Leute, welche sich nicht scheuen, schmutzige Hände zu bekommen. Genau so war die Schweiz einmal entstanden.
Alle merkten, dass man sich gegenseitig nötig hatte. Landvögte, welche das Volk unanständig ausgenommen haben, hatte man vertrieben. Und heute – die Unanständigsten sollen die Besten sein? Seltsam − wenn wir in ein Verkehrsmittel einsteigen, dürfen wir erwarten, dass wir sicher ans Ziel gebracht werden. Sollte etwas passieren, so sagt niemand: Warum sind Sie nicht selber gefahren? Wenn wir aber, direkt oder indirekt, unser erspartes Geld Profis anvertrauen, dann riskieren wir, dass unser Geld verjubelt wird, und dafür sollen wir uns dann noch entschuldigen?
Jeder hat zwei Massstäbe, ich auch – «einer für sich und einer für die Andern». Somit sind wir sogar bei «Kirche und Geld». Hier könnte man anfangen und ein Zeichen setzen. Wir schreiben die Jahrzahl 2010. Kürzlich ging in München der zweite Ökumenische Kirchentag zu Ende. Gleichgläubige (Katholiken und Reformierte) sagen genau dasselbe: «Vor Gott ist jeder Mensch gleich» − «Nehmet und trinket alle daraus» – und so weiter. Dass wir einander nicht mehr zuhören können, ist das eine, dass aber viele Studierte und Überstudierte nicht einmal darüber nachdenken, was sie selber reden, ist (auch beim Abendmahl) bedenklich.
Anstatt, dass sich die kleinen Anständigen entwaffnen und finanziell entmachten lassen, könnten vielleicht die Kleinen anfangen, zusammen das Abendmahl zu feiern. Wer weiss, vielleicht geht dann den Grossen und Mächtigsten auf dieser Welt ein Licht auf. Dann werden die Probleme plötzlich dort gelöst, wo sie entstehen. Dazu braucht es auch keine teuren und komplizierten Fusionen, sondern ganz einfach gegenseitige Hilfe, wo es Sinn macht, statt sich zu bestehlen.
Hermann Wyss–Meier, Schneisingen
